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Der Platz ohne Namen
2019 – 2024

Wie belebt man einen Ort, den scheinbar niemand braucht, der keinen Namen hat und keine Rolle im Bewusstsein der Menschen spielt, die hier leben? Ein Ort, der schlichtweg existiert, weil dort nicht zu Ende gebaut wurde. Ein Ort, der zeitweise als Parkplatz dient – obwohl es eigentlich keinen Mangel an Parkplätzen gibt. Beschrieben wird er als Brache, Kieswüste, Schotterplatz.

Ein Anruf im Ordnungsamt illustriert die Situation: „Wir planen ein Festival am Südpark in Halle- Neustadt.“ Die Rückfrage: „Wo genau?“ „Auf dem Platz zwischen Edvard-Grieg-Weg und der Salzmannschule.“ „Der Platz hat keinen Namen?“ „Ja, auf dem Platz ohne Namen.“

Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen, die unter anderem durch das Projekt Kaleidoskop Südpark im Sommer 2019 gesammelt wurden, entstand die Handlungsempfehlung "We love Südpark!". Darauf aufbauend entwickelten die beauftragten Landschaftsarchitekt*innen von Bankert & Menn einen ersten Entwurf zur zukünftigen Gestaltung des „Platz ohne Namen“ (PoN). Kaleidoskop Südpark war beauftragt über ein Beteiligungsverfahren mit der heterogenen Bewohnerschaft des Viertels Am Südpark in Halle-Neustadt sicherzustellen, dass möglichst viele Nutzer*innengruppen in der zukünftigen Freiflächengestaltung berücksichtigt werden. Ein 1:1 Modell des Entwurfs wurde exemplarisch auf dem PoN präsentiert, um die Menschen einzubeziehen und den Platz wiederzubeleben.

Ursprünglich hätte der PoN längst fertiggestellt sein sollen. Im Projekt StadtumMig II sollte der Mio e.V. den neuen Platz beleben und eine aktive Gemeinschaft von Anwohner*innen formen, die sich um diesen kümmert. Doch auch im Herbst 2024 ist noch kein Bagger angerollt.

Stattdessen verharrt der Platz in einem ständigen Standby-Modus – ein Ort, der so viel sein könnte und doch nichts ist. Ein Platz ohne lebendige Geschichte, weil er nie zu dem wurde, was er sein sollte. Heute mit ein paar bunten Erinnerungen aus Projekten, wie Bilder, die man durch ein Kaleidoskop sieht und eine Zukunft, die auf sich warten lässt. Die Kinder, die einst an den Beteiligungsverfahren teilnahmen, sind inzwischen älter geworden und manche von ihnen weggezogen. Die Selbstwirksamkeit, die sie durch das Projekt erfahren sollten, ist verweht – wie der Kiesstaub auf dem Platz ohne Namen.